Im Mai besuchten das erste und das zweite Ausbildungsjahr unserer Berufsfachschule das Schloss Hartheim in Alkoven, Österreich.
Im Rahmen des Unterrichts Geschichte der Pflege und gerontopsychiatrischen Pflege setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem dunkelsten Teil der Pflegegeschichte auseinander. Während der NS-Zeit propagierten die Nazis ein System, in welchem nur die „arische Rasse“ bedeutsam war. In diesem menschenunwürdigen System gab es keinen Platz für Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen. Leben wurde für Nazis nur dann als lebenswert empfunden, wenn es einen Nutzen für die Allgemeinheit hätte. Dieser Nutzen definierte sich durch Leistungsfähigkeit, Kampffähigkeit und Abwertung des eigenen Ichs.
Im Rahmen der Aktion T4, die in der Tiergartenstraße Nummer 4 in Berlin, ihren grausamen Anfang nahm und ursprünglich von den Nationalsozialisten als „Aktion Gnadentod“ bezeichnet wurde, sind allein im Schloss Hartheim zwischen 1940-1944 30.000 Menschen ermordet worden. Insgesamt zählten zu der Aktion sechs Euthanasieanstalten in Deutschland, Österreich und Polen. Bei den Opfern handelte es sich um Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen, teils Bewohnerinnen und Bewohner von Psychiatrien und Pflegeheimen für Menschen mit Behinderung, teils arbeitsunfähige KZ-Häftlinge aus den Lagern Mauthausen, Gusen, Ravensbrück und Dachau sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.
Der 2003 eröffnete Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim umfasst neben der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie auch die Ausstellung „Wert des Lebens“. (vgl. https://www.schloss-hartheim.at/)
Die Ausstellung „Wert des Lebens“ und der Besuch der Gedenkstätte zeigten uns eindrücklich, wie eine Ideologie von Kosten und Nutzen eines Lebens, oder auch einer Krankheit, die Gesellschaft spaltet und letztendlich Leben erst isoliert und dann vernichtet.
Der Wert des Lebens hängt davon ab, füreinander einzustehen, Trennung zu überwinden und Verbindung zu schaffen – Nicht am Rand der Gesellschaft, sondern mittendrin.